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Hippokrates von Kos

Hippokrates von Kos, der Vater der Heilkunde, geb. um 460 v. Chr., gest. um 377 oder 359 v. Chr., im Alter von 85, 90, 104 oder 105 Jahren, zu Larissa in Thessalien, stammte aus dem Geschlecht der Asklepiaden und erhielt seine erste Ausbildung in der ärztlichen Kunst der Asklepiaden durch seinen Vater Heraklides auf der Insel Kos. Als berühmter Arzt und Lehrer seiner Kunst machte er größere Reisen und lebte auch in Athen, Thasos, Addera, Kyzikos und am mazedonischen Hof. Unter seinem Namen besitzen wir eine Sammlung von 71 an Inhalt und Stil sehr verschiedene Schriften in ionischem Dialekt, die nur zum kleineren Teil von ihm selbst herrühren, wie schon das Altertum sah; der berühmte Arzt Galenos erkannte nur 13 an. Auch die neuere Forschung ist in der Scheidung des Echten und Unechten noch zu keinem Abschluss gekommen.

Am besten verbürgt sind die berühmten Aphorismen, kurze, generelle Sätze über Prognose und Therapie; das ausgezeichnete Büchlein über Klima, Wasser und Bodenbeschaffenheit in ihrem Einfluss auf die Bewohner eines Landes in physischer und geistiger Hinsicht; ein Leitfaden der vergleichenden medizinischen Geographie; die Prognostika; von den 7 Büchern über Epidemien Buch 1 und 3; über die Diät in akuten Krankheiten und über Kopfwunden.

Sei mäßig in allem,
atme reine Luft,
treibe täglich Hautpflege und Körperübung,
halte den Kopf kalt,
die Füße warm,
und heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei.
– Hippokrates von Kos

Hippokrates war ein geschulter Philosoph (er selbst hat gesagt ein philosophischer Arzt sei einem Gott gleich), und in der Kunst, der Natur auf schwierige Fragen Antworten abzulocken, steht er unmittelbar neben Sokrates; an Schärfe der Beobachtung überragt er, der große Vertreter der induktiven Forschung, alle Ärzte des Altertums. Trotz der Mangelhaftigkeit seiner Kenntnisse, namentlich der anatomischen, hat er für alle Zeiten ein Vorbild gegeben, wie mit wenigen Mitteln eine schlichte, vorurteilsfreie, von Hypothesen sich fernhaltende Beobachtung zu scharfer und vielseitiger Einsicht in das Wesen der Krankheiten und zu einer hilfreichen Pflege führen kann.

Er unterschied die Erscheinung (Symptome) des Leidens von der Ursache und ward so der Begründer der Pathologie und Pathognomie; Beobachtung lehrte ihn die Wirkung der Mittel, deren Anwendung die Erkenntnis des Übels bestimmt. Auf der Höhe stand er in der Diätetik, der Kunst, Krankheiten hinzuhalten, und der Hochhaltung des therapeutischen Prinzips, der Heiltätigkeit der Natur möglichst freien Lauf zu lassen. Wir finden bei ihm die ersten bewussten Spuren einer physikalischen Diagnostik; die Auskultation war ihm schon bekannt, wenn auch nur in den Anfängen. Eine besondere Kunst muss er als Operateur entfaltet haben; seine Abhandlung über die Kopfwunden gilt noch heute als Musterleistung. Auch in der äußeren Augenheilkunde hat er zuerst die exakte Forschung zur Geltung gebracht. Sein rastloser Forschungseifer spricht sich in dem bekannten Grundsatz: »Lang ist die Kunst, kurz das Leben« aus. Seine Schriften, im Altertum außer von Galenos vielfach kommentiert, wurden vollständig herausgegeben von Kühn (Leipz. 1826–27, 3 Bde.), Littré (Paris 1839–61, 10 Bde., mit franz. Übersetzung), Ermerins (Utrecht 1859–63, 3 Bde.), Kühlewein (Bd. 1 und 2, Leipz. 1894 und 1902), in lateinischer Übersetzung von Haller (Laus. 1769–71), deutsch von Upman (Berl. 1847, 3 Bde.) und von Fuchs (Münch. 1895–99, 3 Bde.).

Bibliographie

  • Fasbender: Entwicklungslehre, Geburtshilfe und Gynäkologie in den Hippokratischen Schriften (Stuttg. 1897)
  • Fredrich: Hippokratische Untersuchungen (Berl. 1898)
  • Ilberg: Studia Pseudhippocratea (Leip. 1883)
  • Ilberg: Über das hippokratische Corpus (in den Verhandlungen der Philologenversammlung in Görlitz, das. 1890)
  • Spaet: Die geschichtliche Entwickelung der sogen. Hippokratischen Medizin (Berl. 1897)